Der folgende Bericht nimmt Sie mit auf eine chaotische Reise quer durch die Republik.
Verheerende Anschlusszüge, verschlossene Logistikhöfe. totales Unwetter und wie sich doch noch alles
Wir schreiben Ende März. Die Sonne hat schon ordentlich Kraft, aber es ist regnerisch. Wir sind im Vorlauf auf den Frühling
gut gebucht und haben mehrere Überführungen in Warteschleife. Ein Händler aus Oberbayern hat bereits ein Fahrzeug bei
uns zur Abholung angemeldet. Es ist ein BMW 525d Touring aus 2018. Der Händler ist Stammkunde. Die zweite Buchung
ließ nicht lang auf sich warten, ein 2019er BMW 440i Gran Coupé. Da der Händler exklusiv alle seine Einkäufe von uns
überführen lässt, wurde er priorisiert und beide Autos noch in derselben Woche zur Abholung und Anlieferung terminiert.
Die Herausforderung zeigte ein Blick auf die Karte. Stand der 5er BMW in Zülpich am Nordrand der Eifel, wartete der 4er
BMW im 250 km entfernten südhessischen Weiterstadt auf seine Abholung. Beide Autos musste ins oberbayerische
Landsberg am Lech. Unser Start- und Zielpunkt war Erfurt in Thüringen. Sowohl die erste, als auch die letzte Teilstrecke
sollte die Deutsche Bahn übernehmen. Als Multi-Stopp-Überführung geplant war die Gesamtstrecke rund 1.500 km lang.
Derartig lange Überführungen sind keine Seltenheit für uns und vierstellige Tagesstrecken kommen häufiger vor.
Grundvoraussetzung ist immer die perfekte Planung, um einen weitesgehend reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
Gerade Multi-Stopp-Buchungen birgen aufgrund der Vielzahl beteiligter Personen in Kombination verschiedener Ort- und
Zeitvorgaben ein hohes Risiko in sich. Ist man dann noch auf ein fragwürdiges Verkehrsmittel angewiesen, bedarf es
unbedingter Fokusierung, um das Tagesziel zu erreichen.
Die Planung sah eine Anfahrt mit dem ICE nach Frankfurt-Flughafen vor. Dafür waren 2:30 Std vorgesehen. Im Anschluss
sollte es mit dem Überlandbus nach Weiterstadt weitergehen. Die Haltestelle war 10 Gehminuten vom Logistiker entfernt.
Nach dem kurzen Fussmarsch sollte der 5er BMW als erster Wagen übernommen werden. Nach Absprache mit dem Händler
diente dieser dann als Zubringer nach Zülpich. Dazu war die Fahrt über die stark frequetierten A5 A3 A4. Nach Köln sollte
es über die Schnellstraßen zügig bis Zülpich gehen. Dort sollte der 4er BMW am Nachmittag übernommen werden. Nach
kurzer Pause sollte beide Fahrzeuge auf direktem Weg von der Eifel bis A4 A5 A8 bis Oberbayern als Duo fahren. Am späten
Abend sollten beide Autos dann beim Händler stehen und die letzte Regionalbahn von LL nach Augsburg genommen
werden. Dort umgestiegen sollte der letzte ICE nach Norden uns durch die Nacht bis Erfurt rollen. Ankunft in Erfurt war für
1.30 Uhr vorgesehen.
Es war Freitag 7.30, als wir mit einer dicken Mappe Unterlagen, Kurzzeitkennzeichen und Proviant mit einem halbstündigen
Fussmarsch zum Hauptbahnhof Erfurt starteten. Das frühlingshafte Wetter lud zum zu Fuß gehen ein. Wer öfters die Bahn
benutzt weiß, sobald man einen Bahnhof beitritt ist der erste Blick auf die Anzeigentafel, um die Länge der Verspätung
abzulesen. Natürlich, so war es auch an diesem Tag wieder. Der ICE, aus Dresden kommend, hatte bereits am Morgen
Verspätung, ganze 20 Minuten. Auch das war mittlerweile Routine bei der Bahn und somit einkalkuliert. Auf dem sich
füllenden Bahnsteig wartend, war die Stimmung der Umstehenden bereits jetzt hitzig und eine Mischung aus Empörung und
Unverständnis. Dabei waren auch einige Fahrgäste, die mutmaßlich zu Ihrem Ferienflieger am Flughafen Frankfurt wollten
und denen die Nervosität ins Gesicht geschrieben war. Der Zug sollte planmäßig 8.18 Uhr in Erfurt abfahren. Mit einer
Verspätung von einer halben Stunde rollte 8.45 Uhr in Erfurt ein. Die Fahrgäste, das Zugpersonal, alle waren genervt und
rannten durcheinander. Der ICE stand keine 5 Minuten auf dem Bahnsteig, da pfiff der Zugbegleiter zur Weiterfahrt. Der Zug
rollte los. Drinnen war es bereits bis auf wenige Plätze voll besetzt. Einige Fahrgäste schliefen, hatten die Füße auf den
Sitzen, lagen quer auf 2 Sitzplätzen oder waren über Ihren Laptops eingeschlafen. Die wachen Fahrgäste starrten
lethargisch auf Ihre Handys. Vereinzelt hörte man ein Kind quengeln. Also auch im Zug war alles wie immer.
Dieser Augenblick ist immer die Einladung ins Bord-Restaurant. In 90% der Fälle findet man dort einen freien Platz. Der Zug
sollte kurz vor 11 Uhr am Frankfurter Flughafen ankommen. Es war also genug Zeit für einen Snack. Auf freier Strecke zog
der ICE bis knapp 200 km/h durch und machte Strecke. Kaum die Bestellung aufgegeben, bremste der Zug bereits für die
Einfahrt in Eisenach. Die Fahrzeit war exakt der Plaung, nur die Verspätung hing nach. Wir hätten bereits nach wenigen
Minuten wieder abfahren sollen, aber der Zug stand...und stand und stand. Nach 10 Minuten kam die Durchsage, dass die
sich Weiterfahrt verzögern wird. Ein nachfahrender ICE wurde aufgrund einer Havarie ausgewechselt und hatte so starke
Verspätung, dass unser Zug ihn überholen lassen musste, um Zeit aufzuholen. Kurz darauf rauschte der Zug durch den
Bahnhof an uns vorbei. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits 45 Minuten Zeitverlust und waren konstaniert.
Sofort danach setzte sich auch unser Zug wieder in Bewegung, allerdings nicht mehr ganz so schnell wie vorher. Wir
fuhren durch Waldhessen. Im Bord-Restaurant saßen wir fast allein. Es kamen immer wieder Gäste zur Theke, aber
hinsetzen wollte sich niemand. Die Sonne schien durch die großen Fenster. Ruhe keehrte ein. Wir hatten etwas Zeit
aufgeholt, als der ICE 10 vor 10 in der kleinen osthessischen Kurstadt einfuhr. Der Bahnsteig war gut voll und nur wenige
stiegen aus. Wieder standen wir zu lange und die Bahn fuhr nicht ab. Um uns herum, im Bistro und auf den Gängen spürte
man die Nervosität. Viele waren unruhig und murrten vor sich hin. Der Zug fuhr nicht ab. Dann kam die Durchsage.
Aufgrund einer Stellwerkstörung auf der Teilsrecke Bad Hersfeld - Fulda kann der Zug aktuell nicht weiterfahren. Es wären
bereits Techniker vor Ort und der Fehler wird schnellstmöglich behoben. Es war kurz nach 10 Uhr und der ICE sollte
eigentlich in knapp einer Stundein gut einer Stunde am Flughafen Frankfurt sein. Das erste Mal bekamen wir ein laues
Gefühl. Der Logistiker in Weiterstadt hat an Freitagen nur bis 14 Uhr geöffnet. Wir hatten von vornherein ein üppiges
Zeitpolster von 3 Stunden eingeplant, doch diese schmolz langsam vor sich hin. Wir standen. Nach und nach kamen Gäste
ins Bord-Restaurant und setzten sich. Die Stimmung waren ruhig, aber gereizt. Das Zugpersonal ging herum und bot
aufgrund der Verzögerung kostenlos Getränke und Schokolade an. Die Uhr tickte unaufhaltsam. Wir setzten vorsorglich den
Händler in Landsberg am Lech über die Situation in Kenntnis. Immer wieder meldete sich der Zugchef kurz über
Lautsprecher und bat weiter um Geduld. Kurz nach 11 Uhr, nach knapp einer vollen Stunde Standzeit auf dem Bahnhof -
rollte der Zug langsam wieder an. Im Zug war eine seltsame Stille eingekehrt. Der Großteil der Gäste hatte sich wohl mit
der Situation abgefunden. In der Vergangenheit hatte auch wir Erfahrung mit Zugausfällen und Standzeiten auf der Strecke
gesammelt, allerdings noch nie in dem Ausmaß.
Ein Blick auf den Fahrplan verriet, selbst ohne weitere Störungen, würde der ICE erst 12.30 Uhr am Frankfurter Flughafen
ankommen. Das war eine Katastrophe. Rund eine Stunde braucht der Bus vom Flughafen über Darmstadt nach Weiterstadt.
Danach sind nur gut 10-15 Minuten zu Fuß zu gehen. Man musste kein Mathematiker sein um abzuschätzen, dass das
extrem knapp wird. Die Strecke Bad Hersfeld - Fulda fuhr der ICE langsam. Techniker oder eine Baustelle sahen wir auf der
Strecke nicht. Erst nach Fulda beschleunigte er wieder auf über 200 km/h und holte ein paar Minuten auf. Mit einer
Verspätung von über anderthalb Stunden rollte der ICE 12.35 Uhr im Fernbahnhof des Flughafens ein. Tumultartige Szenen
boten sich auf dem Bahnsteig. Viele Leute sprangen aus dem Zug und rannten ins Terminal. Einige schrien Ihre Angehörigen
an, zusammen zu bleiben. Kinder heulten. Alles stürmte durcheinander. Wir kannten den Weg zum Busterminal. Auch dazu
musste man Rolltreppe rauf, Rolltreppe runter und endlose Gänge laufen. Draußen war das Wetter mittlerweile gekippt und
hatte sich der Stimmung angepasst. Es regnete nicht, es schüttete. Ringum war der Himmel dunkelblau zugezogen. Es sah
buchstäblich nach Weltuntergang aus, kein gutes Omen. Der Bus sollte 12.47 Uhr vorfahren. Eng quetschten sich die
Fahrgäste unter die zu kleinen Vordächer der Busterminals. Es donnerte. Alle waren nass. Ein Blick auf den Fahrplan zeigte
eine Ankunftszeit in Weiterstadt von 14.04 Uhr. Damit hätte uns die Bahnpanne die Abholung gekostet. Wir hofften darauf,
dass der Bus etwas schneller fährt und wir kurz vor Schließung noch den 5er BMW übernehmen können. Der Bus fuhr
überpünktlich vor. Leer angekommen, war er bei Abfahrt fast voll besetzt. Es waren so viele Fahrgäste. Der Einstieg
dauerte. Alle Sitzplätze und die Gänge waren voll. Im Bus beschlugen die Scheiben. Es war warm, nass und muffig. Alle
saßen und standen dicht gedrängt aneinander. Die Nerven lagen blank. Draußen toppte das Unwetter. Es regnete so stark,
dass man keine 50 Meter weit sehen konnte. Die Scheibenwischer des Busses schafften kaum das Wasser weg. An jeder
Haltestelle wollte der eine oder andere aussteigen. Dazu musste der halbe Bus aussteigen. Es war eine Tragödie.
Kurz vor 14 Uhr erreichten wir Weiterstadt. Die letzten 2 Kilometer im Marschschritt standen wir 10 Minuten später vor den
bereits verschlossenen Toren des Logistikers. Man hatte überpünktlich Feierband gemacht, natürlich. Das augenblickliche
Gefühl kann man nur schwer widerzugeben. Ohne Gnade brasselte der Regen weiter unaufhörig auf uns nieder. Außer Atem,
resigniert und wütend suchten wir Unterschlupf unter einem Imbiss-Vordach. Damit waren alle weiteren Pläne Geschichte.
Der 5er BMW war elementarer Bestandteil des weiteren Tourverlaufs. Die Unzuverlässigkeit der Bahn hatte wieder schwere
Folgen, nicht das erste Mal für uns. Wir versuchten die Wut und Enttäuschung mit einem Snack und Kaffee im Imbiss
herunterzuschlucken. Da wir aufgrund jahrelanger Erfahrung in der Logistik derer Art stresserprobt sind, hatten wir uns
nach 20 Minuten gesammelt, kühlen Kopf bewahrt und einen alternativen Plan aufgestellt.
Wir waren im regen Austausch mit dem Händler und er bat uns, wenn möglich noch den zweiten Wagen abzuholen. Nun
standen wir aber ohne Zubringerfahrzeug da. Die einfachste Option war ein Mietwagen. Direkt vor Ort war einen Mietstation
eines kleinen Autovermieters. Hier war ein Fahrzeug verfügbar, aber keine Abgabe an unserem Zielort möglich. Wir hatten
keine Wahl. Die besten Optionen bot das Drehkreuz Flughafen Frankfurt. Dorthin mussten wir erstmal zurück. Wir warteten
auf den nächsten Bus Es regnete unaufhörlich. Zu zehnt drängte am sich unter einen kleinen Blechverschlag, der die
Haltestelle sein sollte. Der Regen machte es dämmerig. Der Bus fuhr vor. Ein Blick genügte. Die Fahrgäste standen bis zum
Fahrer vor, dicht gedrängt bis an die Schiebetüren. Zimperlich durfte man nicht sein. Die Türen öffneten sich, aber keiner
stieg aus. Es bewegte sich nicht mal jemand. Alle Fahrgäste standen wie zu einem Block versteinert. Der Busfahrer rief in
den Bus, die Fahrgäste mögen sich nach hinten bewegen, erst auf deutsch, dann auf englisch. Alle schauten sich an. Keiner
rührte sich. Der Busfahrer stand auf, drehte sich nach hinten und schrie in den Bus auf türkisch oder arabsich. Langsam
und wiederwillig rückten die Leute noch enger zusammen. Direkt vorn neben dem Fahrer bildete sich eine kleine Lücke von
einem halben Quadratmeter. Mehrere Fahrgäste weigerten sich trotz des niederprasselden Regens einzusteigen und gingen
wieder unter das Blechdach. Wir mussten mit, egal wie und stiegen ein. Der Geruch im Bus war eine absolute Zumutung. Es
stank modrig, nass und muffig, nach altem Essen und ungeklärtem Dreck. Die Fenster blieben aufgrund des Wetters
geschlossen und man sehnte sich nach jeder Haltestelle, wenn die Türen geöffnet wurden. Dieses Erlebnis war ein
Tiefpunkt für den ÖPNV und wird negativst in Erinnerung bleiben.
Gegen 16 Uhr erreichten wir denselben Bussteig am Flughafen, von dem wir vor über 3 Stunden abgefahren waren. Es war
eine Farce. Nach kurzer Orientierung suchten wir die Katakomen des Terminal 1 auf. Der Flughafen war voll, einfach nur
voll. Sowohl die einzelnen Ebenen, wie auch die endlosen Gänge waren mit Menschen überfüllt. An den Schaltern gab es
lange Schlangen, in den zahllosen Restaurants waren nur noch Einzelplätze frei. Die Menschen strömten in die Geschäfte,
aus den Geschäften, zu Ihren Gates, Bus- und Bahnterminals. Am Frankfurter Flughafen ist eh eine gewisse Gelassenheit
notwendig, wenn man nicht in harten Stress geraten will. An diesem Tag zu dieser Zeit wirkte der Airport aber besonders
herausfordernd. Nach 10 Minuten Fussmarsch, immer der guten Beschilderung folgend, standen wir im Keller des ersten
Terminals und mitten in den Mietwagenzentrale. Alle namenhaften Anbieter hatten hier Ihren Sitz und lockten bereits auf
dem Weg zu Ihnen mit zahlreichen Werbeplakaten...Autos ab 49,- am Tag, größte Auswahl, bester Service. Da die
Kalkulation für den Tag aufgrund des weggefallenen Zubringerautos auf Messers Schneide stand, war das Budget begrenzt.
Wir klapperten jeden Anbieter nach und nach ab. Es brauchte nur ein kleiner Wagen sein, mit einem kleinen Motor und der
Möglichkeit, ihn am nächsten Tag in Erfurt abzugeben. Nach 30 Minuten hatten wir die ernüchternde Realität auf dem
Tisch. Drei Vermieter hatten uns aufgeund maneglden Kapazittäen direkt weggeschickt. Blieben 2 wählbare Optionen, ein
FIAT 500 für 279,- und ein VW Golf für knapp 350,-. Das war im Rahmen des Auftrags untragbar. Bei Kaffee und einem
Obstriegel legten wir eine Pause ein und entschieden uns für die ungeliebte Option 3, die Bahn.
Es war kurz nach 17 Uhr. Wir suchten den nächsten Fahrkartenautomaten und hatten Glück. Die Bahnstrecke Frankfurt-Köln
ist nicht nur eine der am stärken frequentierten Strecken überhaupt, sondern es ist auch eine
Hochgeschwindigkeitsstrecke, auf der der ICE über 300km/h beschleunigt. In der Folge braucht der Zug nur eine dreiviertel
Stunde für die 200 Kilometer zwischen den beiden Metropolen. Trotz der spontanen Buchung kostete das Ticket deutlich
weniger als die Mietwagen und so saßen wir 17.30 Uhr mit gemischten Gefühlen, aber einer Sitzplatzreservierung wieder in
der Bahn, diesmal Richtung Köln. Der ICE fuhr auch mit nur 5 Minuten Verspätung am Flughafen ab und wir sollten bereits
20.10 Uhr in Zülpich sein. Das Platzbüro des Logistikers war bis 22 Uhr besetzt, sodass diese Abholung gelingen sollte.
Trotzdem war Daumen drücken angesagt.
Der ICE war wieder gut gebucht, die Stimmung aber erheblich ruhiger. Mutmaßlich kamen viele Fahrgäste aus dem Urlaub,
waren wohl nur auf dem Heimweg und daher deutlich entspannter als die Fahrgäste in den Morgenstunden. Trotz dass die
Geschwindigkeitsanzeige an der Wagondecke immer um die 300km/h pendelte, schlief ein Großteil der Fahrgäste. Viele
hatten wohl schon ein paar Flugstunden hinter sich und waren dementsprechend matt. Draußen wurde es langsam
dämmrig, als der ICE am Westerwald vorbei rasste. Fast auf die Minute pünktlich fuhren wir 18.20 im Hauptbahnhof Köln
ein. Es regte wieder. Wir sind dem Regen leider hinterher gefahren. Als wir über die Rheinbrücke fuhren, kam im Zug
wieder sowas wir Hektik auf. Offensichtlich mussten Viele einen Anschlusszug bekommen und hatten, wie wir auch nur
wenige Minuten Umsteigzeit. Der Zug stoppte, die Türen öffneten sich und ein Meer aus Menschen bildete den Empfang. Es
müssen Tausende gewesen sein, die dicht gedrängt die Bahnsteige fühlten. In der Stadt war wohl Messe oder eine
Sportveranstaltung. Wir wussten es nicht. Auch wir mussten hier umsteigen, glücklicherweise nur auf der anderen
Bahnsteigseite. Unser Anschluss war der Regional-Express nach Euskirchen. Von dort aus sollte es die letzten 15 Kilometer
mit dem Bus nach Zülpich weiter gehen. Eine Bushaltestelle direkt vor dem Abholgelände war unser Zwischenziel.
Der Hauptbahnhof Köln brachte das nächste Highlight. Das Dach der großen Bahnhofshalle hatte einige Löcher und hielt
dem Starkregen nicht stand. Als Folge regnete es an mehreren Stellen campingduschenartig von der Decke. Niemand wollte
das abbekommen und so standen die Massen abermals dicht gedrängt in Grüppchen um die entstandenen großen Pfützen.
Ein eiskalter Wind pfiff durch den offenen Bahnhof. Hier war die Stimmung schon wieder deutlich genervter und im Stress.
Wir hatten nur 10 Minuten bis zur Weiterfahrt. Nachdem der ICE zur Weiterfahrt ins Ruhrgebiet verschwand, stellte sich
eine völlig skurille Kulisse ein. Wie auf Kommando senkte plötzlich der ganze Bahnsteig die Köpfe. Alle erstarrten in einer
etwas gebeugten Haltung. Es war schlagartig totenstill. Nur der Wind wehte noch und ein Kleinkind schrie. Um uns herum
standen hunderte Menschen, regungslos, versteinert, mit Blick zum Boden. Die Szene erinnerte an einen Horrorfilm. Es war
unser erster Smombieland-Moment.
Die verstörende Szenerie Akt Happening Vorfall wurde aprubt durch die Ansage des Regional-Expresses unterbrochen.
Wieder wie auf Kommando packten alle Ihre Handys in die Taschen und warteten auf den Zug. Dieser fuhr tatsächlich auch
nahezu pünktlich ein und schon bei der Einfahrt konnte man die Laune brechen hören. Die Bahn war total überfüllt. Leider
stiegen auch kaum Leute aus, dafür aber umso mehr ein. Utopisch, wer auf einen Sitzplatz gehofft hatte. Bis Euskirchen
waren es noch knapp 50km und aufgrund der vielen Haltestellen sollte die Fahrt ohne Einschränkungen gut eine Stunde
dauern. Die erste halbe Stunde musste gestanden werden. Danach stiegen nach und nach immer mehr Fahrgäste aus und
kurz vor Endstation bekamen wir sogar einen Sitzplatz. Ohne Verspätung endete dieser Zugtag mit der Einfahrt des
Regional-Express in Euskirchen 19.30 Uhr. Wir waren froh es bis hierher geschafft zu haben. Der Bus nach Zülpich stand
bereits vor dem Bahnhof und war fast leer. Was sollte jetzt noch schief gehen?
Wir saßen bereits im Bus, als dieser 19.45 abfuhr. Der Dauerregen war mittlerweile abgeklungen und hier am Nordrand der
Eifel zu einem schwülen Frühlingsabend mutiert. Den genauen Fahrplan in der Hand hatten wir uns vorn neben den Fahrer
gesetzt, um die Haltestelle auch nicht zu verpassen. Der Bus zuckelte über Land und hielt in jedem Dorf dreimal an. Unsere
Haltestelle war der Ort Geich bei Zülpich. Draußen war es natürlich dunkel und die Ortslagen mäßig beleuchtet. Der Bus
fuhr in den Ort ein, aber nicht die erwarteten Haltestellen an. Aufgrund einer Baustelle auf der Hauptstraße fuhr er eine
Umleitung, hinter den Höfen am Ortsrand entlang. Als wir dies bemerkten, baten wir den Busfahrer uns einfach aussteigen
zu lassen, was er auch spontan am Straßenrand machte. Nach kurzer Orientierung wussten wir, es bleiben noch ein paar
Kilometer zu laufen. Es war jetzt 20.20 Uhr und unser Akku neigte sich. Wir waren seit über 12 Stunden unterwegs, hatten
keine echte Pause gemacht und mussten noch 450 Kilometer nach Erfurt zurück zu fahren.
Wir mussten etwas verloren gewirkt haben, als wir zu Fuß im Dunkeln die Landstraße hinter Geich entlang liefen. Ein
Pizzafahrer aus Zülpich kommend stoppte auf unserer Höhe und fragte, ob denn alles in Ordnung sei. Wir erklärten ihm
kurz die Situation und er bot kurzerhand an, uns die letzten Kilometer mit dem Auto mitzunehmen. Dankend stiegen wir ein
und wurden direkt vor dem Gelände abgesetzt. Das war eine sehr nette Geste und im Gegenzug wollten wir unser Pause in
seinem Grillhaus verbringen.
Die Übergabe des BMW 440i Gran Coupe verlief routiniert und gewohnt professionell. Der Wagen stand an dem Platz, wo er
stehen sollte. Außerdem stand er noch nicht lang. Reifendruck war okay und die Bremsen nicht fest. Außerdem sprang er
sofort an, was bei eingelagerten Fahrzeugen nicht immer der Fall ist. auch nicht üblich ist. und er sprang sofort an.
Nachdem alle Dokumente erledigt waren, fuhren wir kurz nach 21 Uhr vom Gelände und kehrten kurz darauf im Grillhaus
zur offiziellen Pause ein. Gegen 22.30 Uhr verließen wir Zülpich Richtung Osten.
Das Steuer selbst in der Hand verlief die Rückfahrt problemlos ohne Vorkommnisse. Der Wagen lief tadellos und wir
erreichten Erfurt rund 4 Stunden später gegen 2.30 Uhr und damit fast im Zeitplan. Am nächsten Tag wurde der BMW 4er
Gran Coupe einzeln mit Begleitfahrzeug nach Landsberg am Lech überführt. Die Überführung des BMW 5er Touring aus
Weiterstadt wurde separat nachgeholt.
Dank der Zugverspätungen und des daraus
resultierenden Domino-Effekts platzten nahezu
alle Termine und damit auch die Kalkulation.
Nur durch hohe Reaktionsbereitschaft gelang
wenigstens die Abholung eines Fahzeug.
Aufrgund der verlorenen Zeit konnte aber auch
das nicht direkt angeliefert werden, wie es
geplant war. Weiterstadt musste ein zweites
Mal angefahren, was deutlich höhere zeitliche
Aufwendungen und Kosten nach sich zog.
Außerdem musste der Händler länger auf die
Autos warten.
Diese Ereignisse untermauerten ein weiteres
Mal unsere grundlegende Entscheidung zu
Fahrzeugüberfürhungen generell ein
Begleitfahrzeug durchzuführen. um zeitlich und
örtlich unabhänig zu sein.